Vielfach benötigt es zu einem Neuanfang eine Reduktion.
Zumal wenn man ein Restaurant übernimmt, das über Jahre hinweg nur noch von
seinem Ruf lebte und eigentlich nur noch aus der Ermangelung von besserem
überlebte. Die deutsche Community suchte nach einem Platz, wo man sich treffen
konnte; und hierfür nahm man auch im Kauf, das das Essen nicht immer stimmte.
Als dann der jetzige Besitzer des „Claras“ das Haus übernahm, änderte sich die
Situation in Hermannstadt jedoch gewaltig. In Vorbereitung auf das
„Kultur-Hauptstadt-Jahr“ schossen an fast jeder Hausecke Restaurants aus der
Erde.
Der neue Besitzer verpasste dem „Clara“ ein Facelifting. Aus
dem „Gasthof wurde ein „Salonul“ und das einstmals rustikale Ambiente wurde
mehr gewollt als gekonnt „geliftet“ auf einem undefinierbaren Stil. Man wurde
an die Tische platziert. Die Speisekarte wurde noch länger und noch teurer. Das
Problem war nur, das die alten Köche auch die neuen waren.Und das steht schon in der Bibel, tue keinen
neuen Wein in alte Schläuche. Zumal wenn das Problem der Vorbesitzer schon war,
das sie einen guten und einen schlechten Koch hatten, die beide extrem
unflexibel waren.
Das Verhängnis nahm seinen Lauf. Schlechte Küche, hohe
Preise. Das Ende war abzusehen. Als ich dann auch noch 20 Minuten durch
strömenden Regen laufen musste, um Geld zu holen, da das Kartenlesegerät für
das Restaurant kaputt oder sonst was war, reichte es mir zumindest. Und das in
der „Clara“. Das erste Restaurant in Hermannstadt, in dem man mit Karte
bezahlen konnte. So zu sagen, der Mutter der gästeorientierten Gastronomie in
Hermannstadt. Nie mehr wieder. So schwörte ich mir.
Doch man sollte nie nie sagen. Beim Brunchen schwelgten wir
mit Freunde von uns in den alten Zeiten. Man kam auch auf die Treffpunkte von
damals zu sprechen. Und da empfahl mir ein Freund, doch mal wieder das „Clara“
zu probieren. Klar nicht mit Freunden oder so. Sondern einfach, wenn man am
Abend was einfaches essen will. Anstatt selbst zu kochen. Es verging noch
einige Zeit und dann machten wir mal wieder auf dem Parkplatz am Zibin halt.
Beim betreten fiel uns schon auf, das die Beleuchtung auf
ein Minimum reduziert war. Von außen machte das ganze einen sehr verlassenen
Eindruck. Wohl auch ein Grund, weswegen wir die einzigen Gäste an dem Abend
waren und auch blieben. Doch: Wir waren zurück in der Clara. Ich könnte in Erinnerungen
schwelgen. Hier wurde so mancher Abend
verbracht, diskutiert, gelitten … Hier ging ich mit meiner Frau das erste Mal
hin, als ich noch um sie gebaggert habe. Schluss, das ist eine andere
Geschichte.
Begrüßt wurden wir von einer Bedienung, die schon früher
hier gearbeitet hat. Jedoch in der Küche als Hilfe und nicht als Bedienung. In
der Küche steht heute im übrigen eine Frau. Weg sind die beiden Köche, die mich
in so manche Qual gestoßen haben: Schreibst Du was im Restaurantführer und
verlierst einen Freund (der damalige Chef gehörte zu den wenigen deutschen
Unternehmer hier) oder schreibst Du nichts. Meine damalige Kommentare sind
heute lustig zu lesen.
Wir bestellen das übliche. Campari, Mineralwasser, zwei
Vorspeisen, zwei Hauptspeisen. Und warteten in dem immer noch schönen Ambiente
des Gastraums. Tja, das konnte bisher noch niemand zerstören. Auch keine
Möchte-Gerne_Deutsche Küche, die Mici-Fleisch zu Frikadellen verarbeitete. Eckelhaft.
Als die Vorspeisen kommen, sind wir positiv überrascht: Es schmeckt und es ist
das was wir bestellt haben. Nun gut den Salat muss ich selbst würzen, aber das
ist auch nicht das Fellini (das ich auf Grund der Anti-Raucher Ressentiments,
erst im Sommer wieder besuchen werden, wenn man auf der Terrasse sitzen kann)
oder das Max. Auch die Hauptspeisen sind stimmig, gut und es schmeckt.
Und dann überzeugt uns die Bedienung noch zu einer
Nachspeise. Mmmmmmmmh. Selbstgemachter Kuchen mit Himbeersosse. Ich bin
begeistert. Alles in allem kann man sagen, z.Z. kann man hier wieder essen
gehen. Das Essen war gut gemacht. Die Pommes so wie sein sollten (mit heißem
Fett gebraten), die Salate frisch. Der einzige Manko: Das Weizenbier auf der
Karte war nicht zu haben. Geschenkt. Wer hier ist, sollte durchaus darauf
verzichten können.
Wie oben schon erwähnt: Das „Clara“ ist auf den z.Z. Niveau
gut, wenn man sich schnell entscheidet, das es zum kochen zu spät ist oder man
aus andere Gründen, schnell, günstig und gut essen will. Die Speisekarte ist
übersichtlich, die Preise Moderat und das Essen ist für den Preis gut. Ich
denke, das es in dieser Form eine neue Chance verdient hat. Ich hoffe nur, das
die Besitzer nicht wieder anfangen auszuflippen, und den Stil erneut ändern.
Im übrigen scheint es eine Renaissance der alten
Top-Restaurants zu geben: Das „Egreta“ ist ENDLICH auch wieder da. Mehr dazu in
meiner nächsten Besprechung.