"Restaurant Hermania"
Str. Filhamonicii nr. 2, Sibiu, tel.-Nr.: +40 755 055 999
http://www.hermania.sobis.ro Mail:office@hermania.sobis.ro
Es war schon monatelang per Mund-Funk angekündigt: Im Saal des früheren Gesangsverein "Hermania" soll ein neues Restaurant entstehen. Der Unternehmer Hans-Martin Müller, Besitzer von Sobis und des Hotels und der Forellenzucht in Albotha, hatte das Gebäude gepachtet und monatelang renoviert. Das überraschende dabei: Es sollte ein siebenbürgisch-sächsisches Restaurant werden. Nun gut. Siebenbürgen-Sächsisch? Krautwickel? Palukes?
Nach der inoffiziellen Eröffnung erreichten uns "mutmachende" Kommentare. Jemand wohlwollendes bat uns, dem Restaurant ein paar Wochen (von 8 - 12 Wochen war die Rede) Zeit zu geben. Da ich kein Unmensch bin und der Besitzer ein guter Bekannter von mir, hielt ich mich zumindest mit meinem Kommentar daran. Wobei ich schon nach meinem ersten Besuch ende Dezember nicht wusste warum! Jedoch gingen wir entsprechend "vorurteilsfrei" das erste Mal zum "Hermania". Was soll das sein? Ein Restaurant, dem man "Zeit geben soll"? Die Erfahrung zeigt, das "rumänische" Restaurants am Anfang absolut gut sind und dann fürchterlich nachlassen. Umgekehrt ist es selten! Die Überraschung folgte nach dem betreten des Gastraums. Das die Bediensteten nicht im angekündigten (und mittlerweile wohl gelieferten) Kostüm rumliefen, geschenkt. Ich bin kein Fan von Karneval und von daher kann ich auf solche Kinkerlitzchen verzichten. Stören tut es mich im übrigen auch nicht. Ordentlich und einheitlich soll die Kleidung sein, aber keine Maskerade. Aber das man teilweise in deutsch angesprochen wird, ist ja schon eine Meldung wert.
Zu der Einrichtung: Jeder normale Mensch weiss, wie schwierig es ist, einen grossen Sall gastlich und gemütlich herzurichten. Meistens kommen da Räume heraus, die die Atmosphäre des Wartesaals des Bahnhofs von Iserlohn besitzen. Nämlich zum weglaufen. Angenehm hingegen der Gastraum des "Hermania". Mit viel Holz hat man es geschafft, den Raum einen gediegenen Charakter zu geben. Ein Holzkamin, sowie das man die Höhe des Raums genutzt hat, um eine Balustrade zu errichten, tun Ihr übriges.
Einer der ersten Dinge die man in einem Restaurant überprüfen sollte, sind die Toiletten. Darin bin ich ein Freak. "Wie die Toilette, so die Küche", so habe ich es gelernt, ist die dreckig, möchte ich nicht die Küche sehen. Aber diese Toilette war sehr ordentlich. Alles sauber. Die Küche würde mich schon interessieren:.
Na dann kann man ja das Essen bestellen. Als die Karte kommt, wird natürlich zuerst das typisch sächsische gesucht: Und wir sind angenehm überrascht, hier nur Variationen zu finden. Denn bei diesem "typisch" wird man immer wieder böse überrascht. Was ist ein typisch deutscher Kartoffelsalat? So wie ihn meine Mutter machte!! Doch seitdem sie Tod ist, muss ich darauf verzichten. Denn selbst meine Schwester hat es nie verstanden, dies so hinzubekommen wie meine Mutter! Und so verhält es sich auch mit den Krautwickeln u.ä. Ich bin jetzt 16 Jahre in Siebenbürgen und weiss nicht, wie viel Variationen ich von diesen schon gegessen habe. Also alle Gerichte auf der Karte sind solche, die man hier so oder ähnlich bekommen kann, aber gut variiert. Rote Beete mit frisch geriebenen Kren oder das "Sächsische Omelette"; hervorragend. Seit unserem ersten Besuch waren wir immer wieder von der frische der zubereiteten Mahlzeiten überrascht. Auch begeistert uns, dass der Koch sich wagt das Essen und vor allem die Salate zu würzen. Etwas sehr seltenes in Hermannstadt. Hier kann man die Pfeffermühle zu Hause lassen.
Empfehlen kann man als Aperitif im übrigen ein Gläschen "Afinat?". Wirklich lecker. Und noch ein Tipp von meiner Frau: Das Kartoffelpüree. Frisch gestampft und nicht so ne Pampe von Knorr aus der Tüte, wie man es hier in Hermannstadt selbst in Top-Restaurants zu essen bekommt.
Alles in allem waren die Besuche bisher immer sehr nahrhaft und positiv. Eine Anmerkung sei jedoch gestattet. Ich weiss das Sachsen selbst zum Kartoffelkochen gerne Öl benutzen (1/4 l Öl auf 2 l Wasser), aber man könnte viel Geld sparen wenn man die Ölflasche weniger gebraucht und der Gesundheit ist es auch zuträglicher. Aber ansonsten kann ich nur feststellen, hat Hermannstadt ein Top-Restaurant dazu bekommen. Gratulation. Wer jetzt jedoch am Freitag oder Samstag Lust bekommt, das Hermania zu besuchen, sollte darauf gefasst sein, das die Leitung beschlossen hat, an diesen Abenden Tanz anzubieten. Ich werde mich dann dort nicht aufhalten, aber wer weiss wie das weitergeht.
Und doch noch etwas zu kritisieren: Die Karte ist zwar in rumänisch, deutsch und englisch aber warum nicht auch in sächsisch.
Ein schönen Gruss
Michael Kothen (
www.essen.in-hermannstadt.info)